Poetry Slam im Unterricht: Ideen, Themen & Workshops – Copy

Ich werde oft gefragt: „Wie schreibst du eigentlich deine Texte?“

Meistens frage ich zurück: „Willst du die ehrliche Antwort oder die romantische?“

Die romantische klingt so: Ich sitze am Fenster, Regen, Kaffee, ein Notizbuch und dann kommt der Text natürlich einfach.

Die ehrliche: Ich starre auf ein leeres Dokument, schreibe drei Sätze, lösche zwei, frage mich, ob ich eigentlich irgendwas zu sagen habe, und schreibe dann doch weiter. Meistens nachts. Meistens mit zu viel Ablenkung im Hintergrund und meistens ist mein Puls dabei bedenklich hoch.

Trotzdem entstehen Texte. Gute sogar, manchmal. Und nach Jahren auf der Bühne – und einem NRW-Meistertitel, der mich immer noch immer ein bisschen überrascht – habe ich ein paar Dinge verstanden, die ich am Anfang gerne gewusst hätte.

Hier sind sie.

1. Schreib nicht über ein Thema. Schreib über einen Moment.

„Ich will einen Text über Einsamkeit schreiben.“

Kenn ich. Hab ich auch gedacht. Das Problem: Einsamkeit ist ein Konzept. Konzepte sind abstrakt. Abstrakte Texte berühren niemanden.

Was allerdings sehr wohl berührt: Der Moment, in dem du auf einer Party warst, umgeben von Menschen, und trotzdem das Gefühl hattest, komplett unsichtbar zu sein. Die leere WhatsApp-Benachrichtigung. Das Geräusch einer Wohnung in der nur eine Person wohnt.

Das ist Einsamkeit. Das ist für viele Menschen konkret, greifbar und erkennbar. Wenn du über einen Moment schreibst, schreibst du gleichzeitig über das Thema. Nur halt zum Mitfühlen.

Die Übung: Nimm ein großes Gefühl und frage dich: Wann habe ich das zuletzt körperlich gespürt? Schreib genau das auf.

2. Dein erster Satz muss kein guter Satz sein.

Der größte Fehler, den ich bei Menschen sehe, die anfangen wollen: Sie warten auf den perfekten ersten Satz. Sie warten so lange, bis die Zeit vorbei ist und halt immernoch kein Text entstanden ist.

Schreib einen schlechten ersten Satz. Schreib einen mittelmäßigen zweiten. Aber schreib halt weiter.

Im Poetry Slam gibt es keine Rohfassung, die jemand sieht außer dir. Du kannst so viel streichen wie du willst. Aber du kannst nichts streichen, was noch nicht geschrieben ist.

Erlaubnis zum schlechten ersten Entwurf: ist hiermit erteilt.


3. Lies deinen Text laut. Von Anfang an.

Poetry Slam ist Bühnenkunst. Ein Text, der sich toll liest, kann sich gesprochen vollkommen falsch anfühlen. Und andersherum: Sätze, die auf dem Papier holprig wirken, können auf der Bühne perfekt sitzen.

Ich lese jeden Text laut, während ich schreibe. Ich höre, wo der Rhythmus bricht. Ich höre, welche Wörter sich sperrig anfühlen. Ich höre, wo ich selbst aufhöre zu glauben, was ich sage.

Das letzte ist das Wichtigste: Wenn du deinen eigenen Text sprichst und innerlich aussteigst, dann steigt dein Publikum in den meisten Fällen auch aus.

Die Faustregel: Wenn du selbst nicht weißt, warum du diesen Satz sagst, lass ihn weg.


4. Du musst nicht witzig sein.

Viele denken, Poetry Slam bedeutet: Wortspiele, schnelle Pointen und vor allem Lacher im Publikum. Das kann es sein. Aber das muss es nicht.

Was alle guten Slam-Texte gemeinsam haben, egal ob komisch oder ernst, ist Haltung. Eine Perspektive, die nur du so einnehmen kannst. Eine Stimme, die unverwechselbar ist, weil sie aus deinem Leben kommt.

Das ist leichter gesagt als getan. Ist schon klar. Aber die Texte, bei denen das Publikum aufhört zu atmen, das sind nie nur die cleveren. Das sind vor allem die echten.

5. Bring es auf die Bühne, bevor du denkst, dass es fertig ist.

Der Text wird nie fertig sein. 

Es wird immer einen Satz geben, den du ändern könntest. Immer eine Strophe, die sich noch nicht ganz richtig anfühlt. Immer das Gefühl: vielleicht noch eine Woche.

Aber Texte wachsen auf der Bühne. Sie verändern sich, wenn du spürst, wo das Publikum reagiert und wo nicht. Du lernst mehr in einem Auftritt als in zehn Überarbeitungsrunden allein zu Hause.

Also: Geh auf die Bühne. Beim Open Mic, beim Slam in deiner Stadt, vor Freunden auf dem Sofa. Irgendwo.

 

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Ich biete Workshops an. Für Einzelpersonen, Schulklassen und Gruppen. Wenn du das Schreiben und Performen eigener Texte lernen willst, meld dich gerne.

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